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Wer den Pfennig nicht ehrt...


…hätte am 14. und 15. November 2017 einen schweren Stand gehabt, rückten doch Herrscherbilder auf mittelalterlichen Münzen in das Zentrum eines zweitägigen Workshops

 

ein Beitrag von Max Stimpert

 

Münzen boten im europäischen Mittelalter neben ihrer Funktion als Zahlungsmittel auch die Möglichkeit textliche, graphische und bildliche Verweise auf den Münzherrn zu geben, der als Garant hinter dem Metallwert der Münze stand. Die hochmittelalterlichen Könige und Kaiser des „deutschen“ Reiches machten davon in unterschiedlicher Weise Gebrauch. Die Untersuchung dieser repräsentativen Elemente im Münzbild bildet einen wichtigen Bestandteil des Teilprojekts „Bilder vom König. Macht und Herrschaft der ostfränkisch-deutschen Herrscher im Siegel- und Münzbild“ (Leitung: Prof. Dr. Andrea Stieldorf, Historische Grundwissenschaften und Archivkunde).

 

 

Zu Beginn des Workshops stellten Mareikje Mariak, M.A. (Bonn) und Maximilian Stimpert, M.A. (Bonn)  das von ihnen bearbeitete Teilprojekt vor, das in seiner Konzeption und in seinen Ansätzen thematisch wie methodisch Neuland betritt. Auf dieser Grundlage konnten zum einen im numismatischen Austausch mit den eingeladenen Experten die Ziele des Projektes konkretisiert und zum anderen durch die Vorträge der Gäste auch dessen Horizont erweitert werden.

 


Prof. Dr. Hubert Emmerig (Wien) referierte über „Herrscherdarstellungen auf süddeutschen Pfennigen des Mittelalters – Fragen der Interpretation und Zuweisung“ und zeigte dabei exemplarisch an vier Münzorten die Schwierigkeiten der Zuordnung einer Münze zu einer Prägestätte. Anhand der Münzbilder und Umschriften versuchte er, Zuweisungen zu bestimmten Orten zu erläutern und belegte mit seinen Beispielen, dass das Bild des Königs auch durch Bischöfe und weltliche Funktionsträger genutzt wurde.

 

Der Vortrag „Palmwedel: Symbol für Kreuzzüge, Pilgerfahrten oder Martyrium“ von Christian Stoess, M.A. (Berlin) ging der Frage nach, durch wen und warum Palmwedel während der Zeit der ersten drei Kreuzzüge auf Münzen abgebildet wurden, wobei deutlich wurde, dass der Palmwedel meist eher in einer allgemeinen Bedeutung von Christusnachfolge verwendet und nur selten, wie im Fall Roberts von Flandern, tatsächlich als Verweis auf eine Kreuzzugsteilnahme genutzt wurde.

 

 

„Königinnen auf Münzen“ betrachtete Prof. Dr. Andrea Stieldorf (Bonn) und suchte ebenfalls nach Ort, Zeit und Grund des Aufkommens der Bilder. Dass die Königin auf staufischen Münzen gemeinsam mit dem König dargestellt wurde, deutete sie als Hinweis darauf, dass es um die Darstellung eines idealtypischen Herrscher(innen)bildes ging. Sowohl durch Insignien als auch durch Titel (in der Umschrift) wurde der Vorrang des Königs vor der Königin deutlich gemacht. In anderen Fällen bedeutete das Bild der Königin, dass sie als Erbin des Vaters Königsherrschaft ausübte oder dies beanspruchte, wie bei „Kaiserin“ Mathilde von England.

Welche Bedeutung hinter Kronen-, Szepter- oder anderen Abbildungen auf Münzen stecken kann, untersuchte PD Dr. Sebastian Steinbach (Osnabrück) unter dem Titel „Monetäre Herrschaftszeichen – Insignien königlicher Macht auf Münzen des europäischen Hochmittelalters (ca. 1050–1250)“. Dafür zeigte er neben einigen Ansätzen aus der Forschung ausgewählte Münzen aus Deutschland, England, Frankreich und Spanien, anhand derer er Besonderheiten und Entwicklungen skizzierte.

 

Anschließend sprach PD Dr. Torsten Fried (Schwerin/Greifswald) über „Lindwurm, Stier und Greif – herrscherliche Münzbilder im südlichen Ostseeraum“. Er untersuchte dabei das Aufkommen der Tiersymbolik ab dem 13. Jahrhundert und fragte nach den Hintergründen der Wahl des Motivs und dessen Deutung für den Herrschaftsanspruch des Münzherrn.

 

In einer abschließenden Diskussionsrunde wurden noch einmal zahlreiche nützliche Hinweise und Anregungen für die Arbeit im Teilprojekt gesammelt, das von diesem konstruktiven Austausch mit Kennern der Materie sehr profitieren konnte.

Dieser Beitrag wurde ebenfalls auf der Seite des SFB 1167 veröffentlicht.



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